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MehrWert aus Nebenprodukten #2

Am 22. September 2026 fand die Fortsetzung der Bioeconomy Austria Veranstaltungsreihe „MehrWert aus Nebenprodukten #2“ an der FH Salzburg, Campus Kuchl statt. Über 30 Teilnehmende beschäftigten sich im Rahmen des ganztägigen Workshops mit den Verwertungspotenzialen von Rinde, Waldhackgut, Maisreststoffen und Treber. Der Workshop wurde gemeinsam von der BioBASE, dem Ökosozialen Forum Österreich & Europa, Innovation Salzburg, dem Holzcluster Steiermark und der Standortagentur Tirol organisiert, in Kooperation mit dem IBW Wissens- und Technologietransferzentrum Green Engineering der FH Salzburg Campus Kuchl. 

Fachliche Einblicke aus Forschung und Praxis 

Nach einer kurzen Einführung in Bioeconomy Austria sowie das Impulsprojekt durch Werner Balika (Innovation Salzburg) startete der Workshop mit fachlichen Inputs. Thomas Schnabel (FH Salzburg, Campus Kuchl) stellte verschiedene Bioökonomie-Initiativen der FH Salzburg, Campus Kuchl vor: vom Zentrum Green Engineering über das Projekt eLABoration Wood bis zum Salzburg Center for Smart Materials 2.0 mit Fokus auf die aktuelle Forschung im Bereich der Reststoffverwertung.  

Im Anschluss präsentierten Thomas Lichtmannegger (Universität Innsbruck) und Klaus Meyer (Standortagentur Tirol) Ergebnisse der Studie „Status & Potenziale der Bioökonomie in Tirol“, die im Rahmen von Bioeconomy Austria von der Universität Innsbruck durchgeführt wurde. Die Ergebnisse zeigen: Rund ein Viertel aller befragten Unternehmen gibt anfallende Reststoffe bereits zur Nutzung in anderen Unternehmen weiter. Der Großteil wird aber weiter energetisch verwendet oder über die Abfallwirtschaft entsorgt. Als Hürden für höherwertige Nutzung werden vor allem hohe Kosten und regulatorische Hürden genannt. Dennoch geben viele der befragten Unternehmen an, in Zukunft verstärkt biobasierte Materialien verwenden zu wollen. 

Die folgenden beiden Fachvorträge schlugen die Brücke von der Forschung zur praktischen Anwendung. Erwin Hettegger (Alba Industries GmbH) gab Einblicke in die Herstellung und Verarbeitung von PUR- und Tanninschäumen. Dabei erläuterte er den Schäumprozess, wichtige Einflussfaktoren auf die Materialeigenschaften sowie die eingesetzte Misch- und Dosiertechnik. Als mögliche Anwendung wurde der Einsatz von Tanninschaum zur thermischen oder akustischen Dämmung in Sandwichpaneelen vorgestellt. Da Tannine unter anderem in Rinde enthalten sind, ergibt sich ein möglicher Ansatz zur stofflichen Verwertung dieses Reststoffs. 

Im Anschluss präsentierte Fredrik Parigger (Ehrensberger GmbH) neue Wege, welche die Christian Ehrensberger GmbH in der Biomasseaufbereitung geht. Neben dem Betrieb eines Kieswerks stellt das Unternehmen mittlerweile auch Holzfasern her, die für Kultursubstrate, Einstreu oder Bio-Erde (Terra Alpin) verwendet werden. Durch die Aufbereitung mit Waldhackgut und Pilzen als biobasiertes Bindemittel kann ein eigener Holzfaserdämmstoff hergestellt werden.

Interaktiver Workshop am Nachmittag 

Am Nachmittag folgte auf die Fachvorträge ein interaktiver Workshop. In zwei Gruppen arbeiteten die Teilnehmenden zunächst zu Waldhackgut und Maisreststoffen, anschließend zu Rinde und Treber. Gemeinsam wurden Fakten, Ideen und Wünsche zum aktuellen Umgang mit den Reststoffen gesammelt. Dabei wurden bestehende Gegebenheiten, aktuelle und zukünftige Herausforderungen sowie mögliche Lösungsansätze diskutiert. Auch bereits umgesetzte und noch in Entwicklung befindliche Nutzungsmöglichkeiten wurden gesammelt. Im Anschluss konnten die Teilnehmenden die für sie wichtigsten Themen priorisieren. So wurde deutlich, welche Herausforderungen und Potenziale aus ihrer Sicht besonders relevant sind. Abschließend konnten die Teilnehmenden ihre Kontaktdaten zu ausgewählten Themen hinterlassen, um sich mit anderen Interessierten zu vernetzen. 

Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Workshop 

Waldhackgut: Für Salzburg wurde eine begrenzte Verfügbarkeit von Waldhackgut festgehalten. Diskutiert wurden die Qualität und Aufbereitung unterschiedlicher Fraktionen, insbesondere des Feinanteils, sowie die mögliche Eignung für Extrusionsverfahren und eine Nutzung als Einstreu. Weitere Themen waren Nährstoffe, die Untersuchung von Asche aus der Verbrennung und der künftige Laubholzanteil im Misch-Waldhackgut. Offen blieben Fragen zu verfügbaren Mengen und Qualitäten, geeigneten Verfahren sowie zur Datenlage regionaler Stoffströme. 

Maisreststoffe: Bei Maisstroh wurde insbesondere der Zielkonflikt zwischen einer weiteren Verwertung und dem Erhalt von Nährstoffen und Kohlenstoff im Boden diskutiert. Als mögliche Nutzungen wurden Biogas, Faser- und Verpackungsprodukte sowie Pyrolyse genannt. Auch eine kaskadische Nutzung und die Kombination mit anderen Reststoffen wurden thematisiert. Offene Fragen betrafen vor allem die Wirtschaftlichkeit, Ernteorganisation, ausreichende Mengen für Bioraffinerien, Saisonalität und Lagerfähigkeit.

Rinde: Bei Rinde wurde Forschungsbedarf hinsichtlich ihrer Eigenschaften, Zusammensetzung und technischen Nutzbarkeit festgestellt. Als zentrales Hindernis wurde das Fehlen geeigneter Verfahren zur sauberen Trennung und gezielten Aufbereitung der Rindenbestandteile genannt. Diskutiert wurden mögliche Anwendungen von Inhaltsstoffen wie Tanninen, Lignin und Hemicellulose sowie die Verarbeitung von Rinde zu Platten- oder anderen Werkstoffen, auch ohne chemische Modifizierung. Fragen zur technischen Umsetzung und Materialstabilität sind noch offen. 

Treber: Bei Biertreber wurden die Haltbarkeit, mögliche Lebensmittelanwendungen und die Gewinnung von Inhaltsstoffen diskutiert. Genannt wurden unter anderem Snacks, die Extraktion von Proteinen und die Nutzung für die Pilzproduktion. Ein weiterer Ansatz war die kaskadische Verwertung durch Proteinaufbereitung, Biogasproduktion und anschließende Nutzung der Gärreste. Zudem wurden die Wirtschaftlichkeit bisheriger Verwertungsprojekte und die Akzeptanz von Biertreber als Lebensmittel thematisiert.

Ausblick 

Die Workshopergebnisse werden in einem ausführlichen Nachbericht aufbereitet (Link folgt). Zusätzlich werden die Ergebnisse dieses sowie des vorhergegangenen Workshops in Graz „MehrWert aus Nebenprodukten“ gemeinsam ausgewertet und in einem Policy-Brief festgehalten. 

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