MehrWert aus Nebenprodukten

Am 7. Mai fand im Rahmen des Circular Economy Summit Austria in Graz ein Workshop von Bioeconomy Austria zum Thema Reststoffpotenziale mit Schwerpunkt auf Waldhackgut, Maisstroh und Maisspindeln statt. Der Workshop wurde gemeinsam von der BioBASE, dem Ökosozialen Forum Österreich & Europa und dem Holzcluster Steiermark organisiert.

Ziel des interaktiven Formats war es, Akteur:innen aus Land- und Forstwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung zusammenzubringen, um Potenziale land- und forstwirtschaftlicher Reststoffe zu analysieren und konkrete Schritte für deren kaskadische Nutzung abzuleiten.

Einführung und Ablauf

Nach einer kurzen Einführung in Bioeconomy Austria und das Impulsprojekt durch Martina Bärnthaler (Ökosoziales Forum) und Franziska Wolf (BioBASE) wurden die Reststoffe und ihre aktuellen Nutzungsmöglichkeiten vorgestellt. Kilian Silberschneider (Holzcluster Steiermark) präsentierte Waldhackgut, Thomas Timmel (BioBASE) widmete sich Maisstroh und Maisspindeln.

Im anschließenden Workshop arbeiteten die Teilnehmenden in zwei Gruppen zu den Schwerpunkten Waldhackgut sowie Maisreststoffe. Gemeinsam wurden Ist-Zustände der Reststoffnutzung identifiziert, Wunsch-Szenarien entwickelt und daraus zentrale Herausforderungen abgeleitet. Aufbauend darauf diskutierten die Gruppen mögliche Lösungsansätze und notwendige Rahmenbedingungen.

Vertreten waren Expert:innen aus Forschung, Verwaltung, Unternehmen, Interessensvertretungen sowie der Land- und Forstwirtschaft.

Reststoffpotenziale: Große Chancen, klare Herausforderungen

Die Diskussionen zeigten deutlich: Maisreststoffe und Waldhackgut verfügen in Österreich über großes Potenzial, werden derzeit jedoch nur unzureichend genutzt. Ein erheblicher Anteil verbleibt am Feld, im Wald oder wird direkt thermisch verwertet.

Die Teilnehmer:innen sprachen sich für eine künftig stärker kaskadische Nutzung aus, die Roh- und Reststoffe sollen zunächst stofflich und erst anschließend energetisch genutzt werden. Als mögliche Nutzungspfade wurden etwa die Gewinnung von Lignin und Cellulose, chemische Anwendungen, Torfersatzprodukte sowie Biokohle und CO₂-Bindung genannt.

Als zentrale Herausforderung wurden weniger fehlende Technologien als vielmehr wirtschaftliche, organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen identifiziert. Genannt wurden insbesondere fehlende Marktstrukturen und wirtschaftliche Anreize, mangelnde Absatzmöglichkeiten sowie fehlende Abnehmer:innen, hohe Logistikkosten, schwankende Rohstoffqualitäten sowie ein geringer Vernetzungsgrad zwischen relevanten Akteur:innen. Gleichzeitig besteht noch zu wenig Bewusstsein für stoffliche Nutzungsmöglichkeiten von Biomasse.

Für die österreichische Bioökonomie ergeben sich große Chancen, wenn es gelingt, Akteur:innen besser zu vernetzen und konkrete Projekte anzustoßen. Der Workshop machte deutlich, dass künftig Pilotprojekte, neue Kooperationen und koordinierende Strukturen benötigt werden, um innovative Wertschöpfungsketten aufzubauen und neue Nutzungspfade in die Praxis zu bringen. Der Fokus sollte künftig verstärkt auf der Umsetzung, der Vernetzung und dem Aufbau regionaler Bioökonomie-Strukturen liegen.

Ausblick

Der Workshop stieß auf großes Interesse und lieferte wertvolle Impulse für die weitere Arbeit im Projekt. Im Herbst findet bereits der zweite Workshop im Rahmen des Impulsprojekts in Salzburg statt. Dort sollen die im ersten Termin entwickelten Ideen vertieft und weiterentwickelt werden.

Vielen Dank an alle Teilnehmer:innen für den wertvollen Austausch!

(c) Bioeconomy Austria