Im Rahmen des Bioeconomy Austria Summit besuchten wir die Syngas Platform Vienna in Wien-Simmering. Die von BEST – Bioenergy and Sustainable Technologies GmbH betreute Anlage zählt zu den wichtigsten Forschungsstandorten Europas für die Erzeugung von wasserstoffreichem Synthesegas aus biogenen Reststoffen. Sie gilt als zentrale technologische Drehscheibe für die Transformation hin zu einer nachhaltigen, treibhausgasarmen Wirtschaft.
Ein Forschungsstandort mit internationaler Strahlkraft
BEST beschäftigt rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erwirtschaftet jährlich rund 14 Mio. Euro. Mit etwa 150 Partnern aus Industrie, Verwaltung und Wissenschaft arbeitet das Zentrum an der Frage, wie biogene Ressourcen effizienter genutzt und fossile Kohlenstoffquellen schrittweise ersetzt werden können. Die Syngas Platform Vienna ist dabei ein Schlüsselstandort des Unternehmens, nur 15 Minuten vom Flughafen Wien entfernt und eingebettet in die Infrastruktur der Wien Energie.
Die Teilnehmenden der Exkursion erhielten einen detaillierten Einblick in die laufenden Forschungsarbeiten von der Gasifizierung über die Gasreinigung bis hin zu Technologien für die Weiterverarbeitung zu flüssigen Kraftstoffen oder chemischen Vorprodukten.
Die Technologie: Von Reststoffen zu wertvollen Produkten
Im Mittelpunkt der Führung stand die 1-MW-Demonstrationsanlage für die Dual Fluidized Bed (DFB) Steam Gasification. Diese Technologie wandelt Biomasse in ein energiereiches Synthesegas um, das überwiegend aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid besteht. Es bildet die Grundlage für zahlreiche industrielle Folgeprozesse, etwa:
a) Produktion erneuerbarer Gase (Wasserstoff, SNG)
b) Herstellung flüssiger Kraftstoffe (z. B. Jet Fuel mittels Fischer-Tropsch-Synthese)
c) Chemische Vorprodukte für die Industrie (z. B. Wachse, Alkohole)
d) Anwendungen im Bereich Kreislaufwirtschaft und Recycling
Die Wiener Anlage erlaubt längere Versuchskampagnen im kontinuierlichen Betrieb und liefert damit industrienahe Daten für die Skalierung und Weiterentwicklung der Verfahren.
Neben der Gasifizierung verfügt der Standort über weitere Versuchseinrichtungen, darunter:
– ein 250-kW-Fischer-Tropsch-Pilot
– Teststände für Gasreinigung und Gasaufbereitung
– Labore für Analytik und Probenaufbereitung
– geplante Forschungsinfrastruktur zur Syngas-Fermentation
Alle Versuchsräume können dabei mit realem Produktgas aus der Großanlage gespeist werden – ein europaweit außergewöhnliches Forschungsumfeld.
Anwendungsbeispiele: Von der Forschung in den Markt
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Plattform münden in praxistaugliche Projekte. Vorgestellt wurden u. a.:
– Erneuerbare Buskraftstoffe für den öffentlichen Verkehr in Wien (Kooperation mit Wien Energie, OMV, Wiener Linien)
– Nachhaltiger Flugkraftstoff aus Kokosnussschalen für Indonesien (in Zusammenarbeit mit KIT Karlsruhe und Pertamina)
– Chemical Recycling für die Autoindustrie, etwa Bauteile für Porsche aus recycelten Reststoffströmen
Diese Beispiele zeigten eindrucksvoll, wie aus biogenen Reststoffen und Abfällen hochwertige Produkte entstehen können – von synthetischem Diesel bis hin zu Bauteilen im Automobilsektor.
Einblick in laufende Forschung und zukünftige Entwicklungen
Während der Besichtigung erklärte das Forschungsteam aktuelle Schwerpunkte, darunter CO₂-optimierte Betriebsmodi, der Einsatz erneuerbarer Energieträger (H₂/O₂ aus Elektrolyse) sowie die Weiterentwicklung der DFB-Technologie hin zu W2V-Prozessen (Waste-to-Value). BEST arbeitet derzeit an der zweiten Generation großtechnischer Anlagen, basierend auf über 150.000 Betriebsstunden industrieller Referenzanlagen.
Fazit
Die Exkursion verdeutlichte, welche Rolle Österreichs Forschungseinrichtungen im internationalen Wettbewerb um nachhaltige Technologien spielen. Die Syngas Platform Vienna steht exemplarisch für die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und industrieller Relevanz und zeigt, wie die Bioökonomie von der Theorie in die Praxis gebracht werden kann.
Wir bedanken uns bei BEST und insbesondere bei Markus Luisser für die informative Führung und die Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen einer der bedeutendsten Anlagen der europäischen Bioökonomie zu werfen.


