Mit dem Doppelbudget 2027/2028 wird der bisherige Waldfonds weiterentwickelt und in einen neuen Resilienzfonds für Wald und Wasser überführt. Diese Neuausrichtung markiert einen wichtigen Schritt in der österreichischen Forstpolitik: weg von kurzfristigen Krisenmaßnahmen hin zu einer langfristig angelegten Strategie zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel. Die nachhaltige – insbesondere holzbasierte – Bioökonomie ist dabei von Beginn an als eigener Schwerpunkt mitgedacht und im Gesetz fix verankert. Der entsprechende Gesetzesentwurf (Budgetbegleitgesetz 2026–2028) befindet sich aktuell in Begutachtung; die hier dargestellten Inhalte beziehen sich auf den vorliegenden Entwurf und können sich im weiteren parlamentarischen Verfahren noch ändern.
Vom Kriseninstrument zur langfristigen Transformation
Der Waldfonds wurde im Jahr 2020 als Kriseninstrument ins Leben gerufen. Hintergrund waren massive Schäden durch Borkenkäferbefall, Stürme und Trockenperioden sowie zusätzliche wirtschaftliche Einbrüche während der COVID-19-Pandemie. Ziel war es, die Forstwirtschaft rasch zu stabilisieren und akute Schäden abzufedern. Mit einem Gesamtvolumen von rund 430 Mio. Euro umfasste der Waldfonds ein breites Maßnahmenpaket – von Wiederaufforstung und Forstschutz bis hin zu Forschung und der Förderung der Holzverwendung. Mit der aktuellen Weiterentwicklung wird dieser Ansatz strukturell weitergedacht: Der Fokus verlagert sich auf den langfristigen Waldumbau, die Stärkung der Resilienz von Waldökosystemen und die gezielte Weiterentwicklung der Wertschöpfung aus dem Rohstoff Holz.
Vier klare Ziele im Gesetz
Der dem Resilienzfonds zugrunde liegende Gesetzestext (Budgetbegleitgesetz 2026–2028) definiert vier gleichrangige Ziele:
- die beschleunigte Anpassung an die Folgen des Klimawandels sowie die Wiederherstellung und Stärkung widerstandsfähiger Ökosysteme,
- die Entwicklung vitaler, artenreicher und klimafitter Wälder,
- die Stärkung und der Ausbau der stofflichen Verwendung von Holz im Sinne der Bioökonomie – als aktiver Beitrag zum Klimaschutz bei gleichzeitiger Sicherung von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen in den Regionen Österreichs, sowie
- die nachhaltige Verbesserung des ökologischen Zustands der Gewässer und des Wasserkreislaufs.
Die holz- bzw. forstbasierte Bioökonomie ist damit nicht Beiwerk, sondern einer von vier tragenden Pfeilern des neuen Fonds.
Neue Ausrichtung im Resilienzfonds
Im Resilienzfonds werden zentrale Maßnahmen des Waldfonds fortgeführt, jedoch stärker gebündelt und klar auf Klimaanpassung und nachhaltige Nutzung ausgerichtet. Für den Waldbereich stehen in den Jahren 2027 und 2028 insgesamt rund 54 Mio. Euro zur Verfügung. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die Wälder langfristig widerstandsfähiger machen und zugleich ihre ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Funktionen sichern.
Zentrale Förderbereiche
Die wichtigsten Förderinstrumente orientieren sich weiterhin an den bewährten Maßnahmen des Waldfonds, werden jedoch strategisch zugespitzt:
- • Wiederaufforstung und Waldumbau – Gefördert werden Aufforstungen nach Schadereignissen sowie die Umstellung auf standortangepasste, klimafitte Mischwälder.
- • Entwicklung klimafitter Wälder – Pflege- und Anpassungsmaßnahmen unterstützen den Umbau bestehender Bestände hin zu stabileren Waldstrukturen.
- • Forstschutzmaßnahmen – Maßnahmen gegen Schadorganismen – insbesondere Borkenkäfer – bleiben ein zentraler Bestandteil der Förderung.
- • Waldbrandprävention – Aufgrund steigender Risiken gewinnt die Prävention von Waldbränden zunehmend an Bedeutung.
- • Biodiversität und Ökosystemstabilität – Die Förderung artenreicher und resilienter Waldökosysteme wird gezielt weitergeführt.
- • Bioökonomie – Die stoffliche Nutzung von Holz und die Weiterentwicklung der holzbasierten Bioökonomie werden als eigener Schwerpunkt gefördert. Sie verbinden aktiven Klimaschutz mit regionaler Wertschöpfung und sichern Arbeitsplätze im ländlichen Raum.
Fokussierung und Priorisierung der Mittel
Im Unterschied zum Waldfonds erfolgt im Resilienzfonds eine deutlich stärkere Fokussierung der Fördermittel:
- • Konzentration auf Maßnahmen mit hoher Wirkung für Klimaanpassung und nachhaltige Nutzung
- • gezielte Priorisierung statt breiter Förderstreuung
- • stärkerer Wettbewerb um verfügbare Mittel
Diese Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund knapperer Budgetspielräume zu sehen und entspricht der allgemeinen Tendenz zu einer stärker wirkungsorientierten Förderpolitik.
Rolle der Bioökonomie
Die nachhaltige Bioökonomie ist im Resilienzfonds fest verankert. Das Gesetz nennt die Stärkung und den Ausbau der stofflichen Verwendung von Holz ausdrücklich als eines von vier Zielen: als aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zugleich als Motor für Wertschöpfung und Beschäftigung in den Regionen. Mit der entsprechenden Maßnahme soll die nachhaltige Bioökonomie im Sinne der europäischen und der österreichischen Bioökonomiestrategie gezielt forciert werden. Für diesen Bereich wurden im Resilienzfonds eigene Mittel gesichert. Damit bietet der Resilienzfonds der holzbasierten Bioökonomie einen verlässlichen Rahmen, um klimafitte Wälder und eine zukunftsorientierte stoffliche Nutzung von Holz gemeinsam weiterzuentwickeln.
Einordnung im Gesamtzusammenhang
Der Resilienzfonds ist Teil eines umfassenderen Transformationsprozesses. Er
- • sichert die praktische Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen im Wald,
- • stärkt die stoffliche Wertschöpfung aus Holz im Sinne der Bioökonomie,
- • ergänzt innovationsorientierte Programme im Bereich Forschung und Technologie und
- • knüpft an die langfristigen Ziele der europäischen und österreichischen Bioökonomiestrategie an.
Damit verschiebt sich die Rolle der Waldförderung: Während der Waldfonds in erster Linie auf Krisenbewältigung abzielte, wird der Resilienzfonds zum Instrument für den strukturellen Umbau, die nachhaltige Stabilisierung der Wälder und die Weiterentwicklung einer regionalen, holzbasierten Wertschöpfung.
Fazit
Die Weiterentwicklung des Waldfonds zum Resilienzfonds steht für einen klaren Paradigmenwechsel in der österreichischen Forstpolitik: vom kurzfristigen Kriseninstrument hin zu einem strategischen Instrument für langfristige Klimaanpassung und nachhaltige Wertschöpfung. Im Zentrum stehen künftig nicht mehr der Schadensausgleich, sondern vor allem der aktive Umbau hin zu klimafitten, widerstandsfähigen und artenreichen Waldökosystemen – und die nachhaltige Bioökonomie als integraler Bestandteil dieser Zukunftsstrategie.