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PHOSPHOR | KARL&Co | #1

Am 28. April 2026 fand in der Stadtoase Kolping Linz die Auftaktveranstaltung der Bioeconomy Austria Initiative „Phosphor | Karl & Co“ statt. Im Zentrum stand ein endlicher und unverzichtbarer Rohstoff, den Österreich überwiegend importiert: Phosphor. Gleichzeitig gehen große Mengen über Klärschlamm und Asche verloren. Rund 50 Fachleute aus Abwasserwirtschaft, Industrie, Forschung, Verwaltung und Landwirtschaft diskutierten, wie Phosphor zurückgewonnen werden kann, welche Rolle die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie dabei spielt und wie sich Österreich beim Phosphorrecycling organisiert.

Den rechtlichen Rahmen bilden die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie KARL und die österreichische Verbrennungsverordnung. KARL verschärft die Phosphor-Grenzwerte, fordert eine vierte Reinigungsstufe für große Kläranlagen, die Energieneutralität der Abwasserbehandlung und sieht für den Ausbau eine Finanzierung über eine erweiterte Herstellerverantwortung vor. Die Verbrennungsverordnung schreibt für Kläranlagen ab 20.000 EW eine Phosphorrückgewinnung vor. Daraus entsteht erheblicher Handlungs- und Forschungsbedarf. Genau hier setzt die vierteilige Veranstaltungsreihe an, die im Rahmen von Bioeconomy Austria federführend vom Cleantech-Cluster der Business Upper Austria umgesetzt wird.

Status quo, der Blick zu den Nachbarn und Forschung als Engpass

Den fachlichen Auftakt machte Dr. Rainer Wiedemann von Enviroplus mit einer Einordnung der Phosphorbewirtschaftung vor dem Hintergrund von Verbrennungsverordnung und KARL. Er zeichnete den österreichischen Status quo nach und richtete den Blick auf die Nachbarländer, in denen die Phosphorrückgewinnung bereits weiter fortgeschritten ist. Österreich stehe unter regulatorischem Druck, habe aber noch keine koordinierte Antwort darauf.

Tabea Knickel, Geschäftsführerin der Deutschen Phosphor-Plattform DPP e.V. (Frankfurt am Main) gab Einblick in den Stand der Phosphorrückgewinnung in Deutschland. Im Mittelpunkt standen Klärschlamm, regulatorische Rahmenbedingungen und der zeitliche Fahrplan. Deutschland hat mit der Klärschlammverordnung eine Rückgewinnungspflicht etabliert und mit der DPP eine Plattform geschaffen, die Forschung, Anlagenbetreiber, Recycler und Düngemittelindustrie zusammenführt.

Univ.-Prof. Dr. Jörg Krampe, Leiter des Forschungsbereichs Wassergütewirtschaft an der TU Wien, übersetzte die Anforderungen von KARL in konkrete Handlungs- und Forschungsbedarfe für österreichische Kläranlagen. Besonders die vierte Reinigungsstufe und die zugleich geforderte Energieneutralität lassen sich nur mit gezielter Forschung und großtechnisch erprobten Verfahren vereinbaren. Dafür brauche es belastbare Technologien, Pilotanlagen und ein koordiniertes Vorgehen.

Vom Wissen zum Handeln: Plattform, Pilotanlagen und Dünger

Am Nachmittag erarbeiteten die Teilnehmenden in interaktiven Arbeitsgruppen, wo der größte Handlungsbedarf liegt und was die Initiative zuerst anstoßen soll. Das klarste Votum galt dem Aufbau einer österreichischen Phosphor-Plattform: einer neutralen Stelle, die Forschung, Kläranlagenbetreiber, Verwerter, Recycler, Düngemittelindustrie, Landwirtschaft und Behörden zusammenbringt. Ohne Koordination, so der breite Konsens, werde die Skalierung nicht gelingen.

Eng damit verbunden war der Nachweis großtechnischer Machbarkeit. Gefordert wurden Pilot- und Demonstrationsanlagen, belastbare Betriebsdaten und klare Rohstoffanforderungen der späteren Nutzer, von Recyclingbetrieben bis zur Düngemittelindustrie. Dazu kommt die Wirtschaftlichkeit: Es braucht robuste Zahlen entlang der gesamten Kette von der Ascheaufbereitung bis zum fertigen Dünger und eine Antwort auf die Frage, wer die Kosten trägt.

Ein dritter Strang betraf das Produktende: Zurückgewonnener Phosphor wird erst marktfähig, wenn das Düngemittelrecht mitspielt, Rezyklate zugelassen sind, die Pflanzenverfügbarkeit nachgewiesen ist und die Landwirtschaft die Produkte annimmt. Dieses Themenfeld verbindet Recht, Agrarwissenschaft und Industrie und zeigt, dass Phosphorrecycling nur interdisziplinär gelingt.

Wie es weitergeht

Für die kommenden Termine zeichnen sich drei Arbeitsschwerpunkte ab: der Aufbau einer österreichischen Phosphor-Plattform, der Nachweis großtechnischer Machbarkeit samt Wirtschaftlichkeitsrechnung und die Bildung eines Forschungskonsortiums für die vierte Reinigungsstufe. Der zweite Workshop der Reihe findet am 24. Juni 2026 am FH-OÖ-Campus Wels statt.

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