Die Transformation der Textilbranche hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft gewinnt an Tempo – und braucht vor allem eines: Kooperation. Am 29. April 2026 trafen sich rund 60 Vertreter:innen aus Wirtschaft, Forschung und Politik in Linz. Unter dem Motto „Closing the Loop“ diskutierten sie, wie eine kreislauffähige Textilwirtschaft konkret gelingen kann. Statt Problembeschreibung stand die gemeinsame Gestaltung im Fokus. Angesichts des frühen Welterschöpfungstags in Österreich und wachsender Abfallmengen durch Ultra-Fast-Fashion braucht es rasches Handeln.
Regulatorischer Druck und technische Herausforderungen
Auch der rechtliche Rahmen verschärft sich. Elisabeth Moser-Marzi verwies auf zentrale EU-Vorgaben: Bereits seit 1. Jänner 2025 gilt die getrennte Sammlung von Textilien. Bis 2030 sollen Produkte langlebig, reparierbar und recyclingfähig sein. Mit der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) sowie dem digitalen Produktpass (DPP) entstehen zusätzliche Verpflichtungen – aber auch Wegbereiter für eine kreislauffähige Textilwirtschaft.
Die Praxis zeigt: Der Weg zur Kreislaufwirtschaft ist komplex. Unterschiedliche Materialmischungen und Sortieroptionen, die zwar technisch möglich, jedoch weder ausreichend robust, flächendeckend oder wirtschaftlich ausgereift sind, erschweren das Recycling. Gleichzeitig entstehen neue Lösungsansätze wie innovative Markierungstechnologien, sensorbasierter Sortierung und biobasierten Färbemethoden.
Best Practices zeigen: Es geht bereits
Unternehmen wie die Österreichische Post, carla Vorarlberg, BT-Systems oder Vienna Textile Lab demonstrieren, dass zirkuläre Ansätze funktionieren können – etwa durch geschlossene Kreisläufe für Dienstkleidung, professionelle Reuse-Sortierung oder den Einsatz neuer Technologien oder natürlicher Farben. Noch handelt es sich oftmals um Insellösungen, doch sie liefern wichtige Impulse.
Von der Idee zum Projekt: der Cleantech-Cluster sucht Mitgestalter
Im Zentrum der Veranstaltung stand ein Workshop, der konkrete Projektideen hervorbrachte – von Recycling-Hubs über Bildungsinitiativen bis hin zu neuen Materialströmen. Genau hier setzt der CTC (Cleantech Cluster) an: Er lädt Unternehmen ein, sich aktiv zu beteiligen, sei es bei kreislauffähigem Design, der wirtschaftlichen Nutzung von Recyclingmaterialien oder der Verbesserung von Sortierprozessen.
„Wer Lösungen sucht oder bereits Ansätze hat, sollte den nächsten Schritt gehen“, betont CTC-Projektmanagerin Michaela Streicher. Gesucht werden Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um zentrale Hürden gemeinsam zu adressieren und praxisnahe Lösungen zu entwickeln. Interessierte Unternehmen können sich bei den Projektmanagerinnen Michaela Streicher oder Julia Weyermayr melden. Der Dialog hat gezeigt: Die Ideen sind da – jetzt gilt es, sie umzusetzen.

